Monika Anna Königsberger

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Ich bin Artemis, weil ...

Ich kam zur Jagd, weil ich auf dem landwirtschaftlichen Hof meiner Eltern sehr naturverbunden aufgewachsen bin und mir mein Großvater in Kindheitstagen vermitteln konnte, wie schön es ist, draußen in der Natur zu sein und der Wildhege nachzugehen. Heute ist die Jagd für mich ein wunderbares, ausgleichendes Hobby.

Die Jagd ist sehr traditionsreich in Österreich und kulturelles Brauchtum. Hieraus allein sollte sich aber nicht die Legitimation für die Jagd als solche ergeben.
Vielmehr sollte die Ursprünglichkeit und die Natürlichkeit der Jagd in den Vordergrund gestellt werden. Die allerersten Menschen waren Jäger und Sammler. Sie jagten und sammelten, um ihr Überleben zu sichern. Jagen ist damit „ur-menschlich“. Heute ist es so, dass wir nicht mehr zwecks unseres eigenen Fortbestandes jagen, sondern um das Überleben anderer Arten zu sichern, indem wir den Bestand verschiedener Populationen regulieren.

Ein Mensch, der sich draußen in der Ruhe und völliger Reizlosigkeit in der Natur bewegt und ein Tier im weidmännischen Sinne erlegt, wird die Natur ganz anders wahrnehmen, als jemand, dem dieses Erlebnis nicht zuteil geworden ist. Dieser Mensch wird mit großer Wahrscheinlichkeit die Zusammenhänge der Natur besser verstehen und den Lebewesen eher mit Respekt gegenübertreten.

Ethisch gesehen ist eine Bejagung so wie man sie heutzutage im österreichischen Jagdkurs gelehrt bekommt, meiner Meinung nach die korrekteste Form ein Tier zu erlegen, da beispielsweise Schlachttiere einem viel höheren Stress vor ihrem Tod unterliegen. Wenn ich selbst gejagt habe, kann ich beispielsweise das Privileg Fleisch essen zu dürfen viel mehr schätzen. Man bekommt einen ganz anderen Bezug zu den Lebensmitteln, als man ihn vielleicht hat, wenn man nur vakuumverpacktes Fleisch aus Massentierhaltungen kennt.

Dass wir heute nicht mehr wie unsere urzeitlichen Vorfahren täglich jagen und sammeln müssen, liegt an der Massenproduktion von Lebensmitteln, insbesondere der Massentierhaltung. Diese Art des Umganges mit Lebewesen hat nur mehr wenig „Menschliches“. Man stelle sich einmal das utopische Szenario vor, es würde eine Zeit eintreten, in der ein jeder wieder Jäger und Sammler sein müsste. Jeder würde für seinen Eigenbedarf jagen, sähen und ernten. Es würde dann keine Massenproduktion mehr notwendig sein. Die verbauten Fabrikflächen würden wieder zu Lebensraum für die Tiere und Pflanzen werden. Mit den Ressourcen würde viel sorgsamer umgegangen werden. Es gäbe keinen Lebensmittel(rest)müll. Das Leben wäre natürlicher, nachhaltiger und menschlicher.

Jagen steht für Ursprünglichkeit, Natürlichkeit und Menschlichkeit - alles Attribute, die ihre aktuelle Bedeutung im Kontext der Nachhaltigkeit finden, einem Begriff, der momentan wie kein anderer in unserer Gesellschaft diskutiert wird.

Warum kann die Jagd nicht Teil eines Unterrichtsfaches in der Schule sein? Wird der oben angesprochene Mensch, der die Natur reflektiert hat, Abgaswerte von Dieselmotoren fälschen? Öl im Meer verklappen? Riesige Waldflächen roden?  Ich denke, dass es Menschen, die natürlich aufgewachsen sind und die Zusammenhänge der Natur verstanden haben, deutlich schwerer fallen dürfte, schlecht mit der Natur umzugehen.

Mir hat dieses Verständnis für die Erhaltung der Tierwelt und die Natur mein Großvater vermittelt, mit dem ich in Kindertagen täglich aus Freude mit in den Wald zur Wildhege gegangen bin. Er konnte es mir zu verstehen geben, dass es notwendig ist zu jagen, um eine gesunde Population der Tiere aufrecht zu erhalten. Es war unmissverständlich, dass es nicht um bloßes Morden geht. Die Leidenschaft an der Hege Wildes und die Freude am Beobachten der Tiere vermittelten mir großen Respekt vor der Natur.
Jagen ist nicht nur ein schönes Hobby und ein wunderbarer Ausgleich zum Alltagsstress. Wer die Jagd und somit die Natur versteht, hat ein Privileg und sollte es auch anderen zugänglich machen.
Es ist schade, dass man sich als Jäger und noch viel mehr als Jägerin oftmals in einer Rolle des Rechtfertigenden und gar Abwehrenden befindet. Es wäre erfrischend offensiver sich selbst darstellen zu können und vielleicht sogar mal an der Zeit, andere zu hinterfragen und vielleicht sogar zu kritisieren. Denn es wird nicht ein Jäger sein, der eines Tages den letzten Hasen abschießt. Vielmehr sind es andere Probleme die dazu führen, dass es unserer Natur nicht mehr so gut geht.
Wenn jemand für die Natur sprechen kann, sind es meiner Meinung nach die Jägerinnen und Jäger. Sie verstehen die Natur, sie bewegen sich in der Natur und sie setzen sich wie kein anderer mit ihr auseinander. Ich sehe es als Pflicht der Jägerinnen und Jäger ein Statement zu setzen und an den Ursprung der Natur zu erinnern.

 

Kommt aus: 
Lamprechtshausen
Kategorie: 
Die Jägerin des Jahres 2016 - Kandidatinnen